Katars UN-Botschafterin in Genf: „Katar als verlässlicher Vermittler“
Doha, den 19. September /QNA/ „Katars Rolle als Vermittler ist Ausdruck einer fest verankerten außenpolitischen Linie, die auf vertrauensbasierten Dialog, friedliche Lösungen und die Überzeugung setzt, dass Kommunikationskanäle selbst in den kompliziertesten Krisen offengehalten werden müssen.“ Dies erklärte I.E. Dr. Hind Abdulrahman Al Muftah, Ständige Vertreterin Katars beim Büro der Vereinten Nationen in Genf, in einem Exklusivgespräch mit der Katarischen Nachrichtenagentur (QNA).
Dieser Ansatz ruhe auf einer eindeutigen verfassungsrechtlichen Grundlage, sagte Al-Muftah. Die Förderung von Frieden und internationaler Sicherheit sowie die Ermutigung zur friedlichen Beilegung von Streitigkeiten gehörten zu den tragenden Säulen der katarischen Außenpolitik.
Unter der weisen Führung S.H. des Emirs, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, habe das Land seine Vermittlungskompetenz kontinuierlich ausgebaut und seine diplomatischen Bemühungen auf unterschiedliche Regionen der Welt ausgeweitet. Dadurch habe sich Katar zu einem regional und international anerkannten, vertrauenswürdigen Vermittler entwickelt.
Begünstigt worden sei diese Entwicklung durch die über Jahre gesammelte Erfahrung, die Fähigkeit zur Kommunikation mit unterschiedlichsten, auch besonders schwierigen Konfliktparteien, die konsequente Aufrechterhaltung von Gesprächskanälen sowie durch strategische Geduld und Kontinuität, so sie weiter.
„Katar betrachtet Vermittlung weder als Mittel medialer Selbstdarstellung noch als Feld internationalen Wettbewerbs“, betonte die Diplomatin. Vielmehr gehe es um moralische Verantwortung und um die Wirksamkeit der Bemühungen zur Wahrung von Frieden und internationaler Sicherheit.
Entscheidend sei die Frage, ob Katar tatsächlich dazu beitragen könne, Spannungen abzubauen, die Beteiligten auf dem Weg zu einer politischen Lösung voranzubringen und eine gemeinsame Grundlage für Verständigungen und friedliche Vereinbarungen zu schaffen. Die Entscheidung über die Ergebnisse des Vermittlungsprozesses müsse jedoch stets bei den betroffenen Parteien verbleiben.
„Die Beziehungen zwischen Katar und den Vereinten Nationen haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten schrittweise von einer klassischen Mitgliedschaft zu einer langfristigen und breit angelegten strategischen Partnerschaft entwickelt“, fügte Dr. Al Muftah hinzu.
Diese Partnerschaft umfasse politische, humanitäre und entwicklungspolitische Bereiche. Katars Beitrag zur Arbeit der Vereinten Nationen habe sich im Laufe der Jahre erheblich erweitert und schließe heute die Unterstützung von UN-Initiativen und -Programmen, Friedens- und Vermittlungsbemühungen, humanitäre und entwicklungspolitische Arbeit sowie die Zusammenarbeit bei der Bewältigung internationaler Herausforderungen ein.
Die katarische Botschafterin hob zudem hervor: „Zu den wichtigsten Meilensteinen dieser Entwicklung zählten mehrere Vereinbarungen, die am Rande des Doha-Forums 2018 in Anwesenheit S.E. des Ministerpräsidenten und Außenministers, Scheich Mohammed bin Abdulrahman bin Jassim Al Thani, sowie des UN-Generalsekretärs António Guterres unterzeichnet wurden.“
Nach Angaben von Dr. Al Muftah sagte Katar dabei mehrjährige Finanzhilfen in Höhe von 500 Millionen US-Dollar zu. Die Mittel sollten mehreren Organisationen der Vereinten Nationen zugutekommen und deren Kernressourcen stärken. Darin spiegele sich Katars aktive Rolle bei den internationalen Bemühungen um Frieden, Sicherheit und nachhaltige Entwicklung wider.
„Zu den sichtbarsten Zeichen dieser Entwicklung gehört die wachsende institutionelle Präsenz der Vereinten Nationen in Doha“, stellte Al Muftah fest. Katar beherberge inzwischen mehrere Büros und Programme der Weltorganisation und habe Dutzende Veranstaltungen der Vereinten Nationen ausgerichtet.
Mit der Eröffnung des Hauses der Vereinten Nationen in Doha, in dem mehrere UN-Einrichtungen zusammengeführt wurden, habe die Partnerschaft einen noch stärker institutionell geprägten Charakter erhalten. Zugleich seien die Bereiche der gemeinsamen Arbeit erweitert worden.
Die Zusammenarbeit beruhe heute auf langfristigen Partnerschaften und Initiativen in unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern der Vereinten Nationen. Darin werde Katars Engagement für das UN-System und für einen wirksamen Multilateralismus bei der Bewältigung gemeinsamer Herausforderungen sichtbar.
Auch in Genf zeige sich diese Entwicklung durch Katars aktive Beteiligung am multilateralen System, insbesondere im Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen.
„Erstmals seit Beginn seiner Mitgliedschaft im Menschenrechtsrat hat Katar in den Jahren 2025 und 2026 drei Resolutionsentwürfe zu vorrangigen Themen federführend eingebracht. Alle drei wurden im Konsens und ohne Abstimmung angenommen“, unterstrich Al-Muftah.
Wie Al Muftah erläuterte, trägt die erste Resolution, Nummer 59/17, den Titel „Empowerment von Frauen und Mädchen im und durch den Sport“. Katar habe sie im Namen einer Kerngruppe eingebracht, der neben Katar Indonesien und Marokko angehört hätten. Ihre Verabschiedung sei im Juli 2025 erfolgt.
Die zweite Resolution, Nummer 60/19, trägt Der Katars UN-Vertreterin zufolge den Titel „Förderung und Schutz der Menschenrechte von Frauen und Kindern in Konflikt- und Postkonfliktsituationen: Gewährleistung von Gerechtigkeit, Rechtsbehelfen und Wiedergutmachung für die Opfer“. Katar habe sie im Namen einer Kerngruppe eingebracht, der Katar und Costa Rica angehört hätten. Ihre Annahme sei im Oktober 2025 erfolgt.
„Die dritte, im Juli 2026 angenommene Resolution zum Schutz der Gesundheitsversorgung in bewaffneten Konflikten stellte für Katar eine besondere Erfahrung im Menschenrechtsrat dar“, bestätigte Al Muftah.
Katar habe den Entwurf eigenständig ausgearbeitet, die Konsultationen und Verhandlungen geleitet und die Resolution allein dem Rat vorgelegt. Insgesamt 62 Staaten aus unterschiedlichen geografischen Gruppen hätten den Text mitgetragen. Dies verdeutliche die Fähigkeit der katarischen Diplomatie, Unterstützung für Initiativen zu mobilisieren, die Fragen von internationaler Bedeutung behandelten.
Der katarische Vermittlungsansatz zeichne sich durch Flexibilität, Dialogfähigkeit und Bereitschaft aus, Kommunikationskanäle selbst dann offenzuhalten, wenn die Positionen weit auseinanderlägen und die Bedingungen äußerst schwierig seien.
Große Bedeutung messe Katar dem Aufbau von Vertrauen sowie Geduld und Kontinuität bei. Den beteiligten Parteien müsse ausreichend Raum gegeben werden, selbst zu Lösungen zu gelangen, die sie akzeptieren und umsetzen könnten.
„Unser Ansatz beruht darauf, Positionen einander anzunähern und geeignete Bedingungen für den Dialog zu schaffen. Die Entscheidung über das Ergebnis verbleibt jedoch bei den betroffenen Parteien“, so Al Muftah.
Zugleich bemühe sich Katar um eine enge Zusammenarbeit mit internationalen und regionalen Partnern. Dadurch sollten die Erfolgsaussichten von Vermittlungsprozessen verbessert und nachhaltige Lösungen ermöglicht werden.
Die Erfahrungen Katars hätten gezeigt, dass diplomatische Bemühungen auch bei schwierigen Verhandlungen und Rückschlägen fortgesetzt werden müssten. Nur so könne der Weg zu einer späteren Lösung offengehalten werden.
Dr. Al Muftah verwies auf die langjährige Partnerschaft zwischen Katar und dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, deren Anfänge bis in die 1990er-Jahre zurückreichten. Damals habe die Zusammenarbeit mit katarischen humanitären Organisationen begonnen.
Im Laufe der Jahre sei die Partnerschaft ausgeweitet worden, um auf die wachsende Zahl unterschiedlicher Flucht- und Vertreibungskrisen weltweit zu reagieren. Im März 2023 sei in Doha das Haus der Vereinten Nationen eröffnet worden, in dem auch das Büro des UNHCR untergebracht ist.
„Die Gesamtbeiträge Katars zur Finanzierung der UNHCR-Programme belaufen sich inzwischen auf über 440 Millionen US-Dollar, was mehr als 1,6 Milliarden QAR entspricht“, führte sie aus.
Die Mittel seien Flüchtlingen, Binnenvertriebenen und aufnehmenden Gemeinden zugutegekommen. Unterstützt worden seien unter anderem die Bereiche Bildung, Unterkunft, Gesundheit, Existenzsicherung und Bargeldhilfe. Diese großzügigen Beiträge hätten für zahlreiche gewaltsam Vertriebene in aller Welt eine lebenswichtige Unterstützung dargestellt.
Katar betrachte die Partnerschaft mit dem UNHCR als bedeutendes Modell wirksamer Zusammenarbeit mit dem System der Vereinten Nationen. In den vergangenen Jahren sei sie auf unterschiedliche Bereiche der humanitären Hilfe für Flüchtlinge und gewaltsam Vertriebene in verschiedenen Weltregionen ausgeweitet worden.
Mittlerweile engagierten sich auch zahlreiche nichtstaatliche katarische Institutionen, darunter die Qatar Foundation for Education, Science and Community Development, Education Above All, Qatar Charity, der Katarische Rote Halbmond, Qatar Airways, Silatech sowie der Scheich Thani bin Abdullah Al Thani Humanitarian Fund.
Die Erweiterung des Partnerkreises verdeutliche das Bestreben, vorhandene Erfahrungen und Kapazitäten für gemeinsame humanitäre Ziele einzusetzen. Zugleich solle die Fähigkeit des UNHCR verbessert werden, auf die zunehmenden Herausforderungen gewaltsamer Vertreibung zu reagieren.
Als Meilenstein bezeichnete Dr. Hind Abdulrahman Al Muftah den ersten hochrangigen strategischen Dialog zwischen Katar und dem UNHCR. Er fand im Mai 2025 am Sitz des Flüchtlingshilfswerks in Genf statt.
Dabei seien Möglichkeiten zur Vertiefung der bestehenden Partnerschaft und künftige Kooperationsbereiche erörtert worden. Dazu hätten humanitäre Hilfen sowie die Verfahren für ihre Zuweisung und Verteilung zugunsten von Flüchtlingen weltweit gehört.
Während des Dialogs sei außerdem eine Vereinbarung zur Unterstützung der Kernressourcen des UNHCR für den Zeitraum 2025 bis 2026 unterzeichnet worden. Die Finanzierung erfolge durch den Qatar Fund for Development.
„Wir wollen diese Partnerschaft weiter vertiefen und die Zusammenarbeit mit dem UNHCR ausweiten, um Flüchtlinge und gewaltsam Vertriebene zu unterstützen und die gemeinsame humanitäre Arbeit zu erweitern“, bekräftigte Al Muftah.
„Die Herbeiführung einer Waffenruhe oder einer politischen Einigung stellt zweifellos einen grundlegenden Fortschritt dar. Gleichwohl bildet sie keineswegs den Schlusspunkt der Vermittlungsbemühungen, sondern vielmehr den Auftakt zu einer neuen, nicht minder anspruchsvollen Phase, in der es gilt, die vereinbarten Maßnahmen konsequent umzusetzen und das Erreichte dauerhaft abzusichern“, erklärte die Diplomatin.
Im Anschluss an eine Vereinbarung müsse sowohl gewährleistet werden, dass die Konfliktparteien den eingegangenen Verpflichtungen uneingeschränkt nachkämen, als auch, dass das im Verlauf des Konflikts zerstörte Vertrauen schrittweise wiederhergestellt werde. Nicht minder dringlich sei die Bewältigung der weitreichenden humanitären, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen, die das Gemeinwesen häufig noch lange nach dem Abklingen der unmittelbaren Kampfhandlungen belasteten.
Die diplomatischen und politischen Bemühungen dürften daher mit dem Zustandekommen einer Vereinbarung keinesfalls eingestellt werden. Solange die vereinbarten Maßnahmen weder vollständig umgesetzt noch institutionell abgesichert seien, müssten die Gesprächskanäle zwischen den Konfliktparteien offengehalten und die einzelnen Umsetzungsschritte fortlaufend begleitet, überprüft und erforderlichenfalls nachjustiert werden.
Letztlich stehe jede Partei vor einer grundlegenden Entscheidung: Sie könne entweder ihren Verpflichtungen uneingeschränkt nachkommen und damit zur Konsolidierung des Friedensprozesses beitragen oder durch mangelnde Verbindlichkeit riskieren, dass bereits erzielte Fortschritte zunichtegemacht würden. Die Tragfähigkeit einer Vereinbarung hänge folglich maßgeblich vom politischen Willen der Beteiligten und ihrer tatsächlichen Bereitschaft ab, den eingegangenen Zusagen konkrete Taten folgen zu lassen.
Daneben bedürfe es einer kohärenten regionalen und internationalen Unterstützung, die sowohl der Stabilisierung des Erreichten als auch der nachhaltigen Bearbeitung jener tiefer liegenden Ursachen diene, aus denen der Konflikt hervorgegangen sei. Denn je entschlossener die Parteien an der Umsetzung der Vereinbarung mitwirkten und je wirksamer externe Akteure diesen Prozess flankierten, umso größer seien die Aussichten, aus einer zunächst fragilen Einigung eine belastbare und dauerhafte Friedensordnung hervorgehen zu lassen.
Auf lange Sicht bemesse sich der Erfolg einer Vermittlung deshalb nicht allein am Abschluss einer Vereinbarung, sondern vielmehr daran, ob es den Konfliktparteien und ihren Partnern gelinge, auf dem Erreichten aufzubauen und die erzielten Fortschritte in einen tragfähigen politischen Prozess zu überführen. Nur ein solcher Prozess könne langfristige Stabilität gewährleisten und zugleich die Gefahr bannen, dass der Konflikt erneut aufflamme.
Die gegenwärtigen Krisen zeigten, dass politische und humanitäre Wege eng miteinander verbunden seien. Sie seien, wie Al Muftah formulierte, „zwei Seiten derselben Medaille“.
Eine ganzheitliche Behandlung beider Bereiche könne die Aussichten auf Deeskalation verbessern und das Leiden von Zivilisten mindern. Vermittlungsbemühungen könnten die Voraussetzungen für den Zugang humanitärer Hilfe und den Schutz der Zivilbevölkerung schaffen.
Umgekehrt könne die humanitäre Hilfe die Folgen eines Konflikts begrenzen und ein günstigeres Umfeld für die Fortsetzung des Dialogs sowie den späteren Wiederaufbau schaffen.
„Vor diesem Hintergrund müsse die Abstimmung zwischen den an den Vermittlungsbemühungen beteiligten Staaten und Akteuren einerseits und den Vereinten Nationen sowie deren humanitären und entwicklungspolitischen Organisationen andererseits intensiviert werden“, legte sie dar.
Eine engere Koordinierung könne dazu beitragen, den Schutz der Zivilbevölkerung zu verbessern und zugleich einen ungehinderten Zugang zu humanitärer Hilfe zu gewährleisten. Dabei wies sie darauf hin, dass die grundlegenden Prinzipien der humanitären Arbeit unter allen Umständen uneingeschränkt gewahrt bleiben müssten.
Abschließend resümierte Dr. Hind Al Muftah, Katar und die Vereinten Nationen könnten ihre bestehende Partnerschaft weiter vertiefen, indem sie Katars diplomatische Expertise in den Bereichen Vermittlung und Dialog mit den humanitären und entwicklungspolitischen Kapazitäten des UN-Systems und seiner Partner verknüpften.
Die systematische Bündelung dieser komplementären Kompetenzen schaffe die Voraussetzungen dafür, umfassendere, kohärentere und langfristig tragfähige Antworten auf internationale Krisen zu entwickeln. Eine derart ausgestaltete Partnerschaft ermögliche es, den unmittelbaren humanitären Bedürfnissen der betroffenen Bevölkerung Rechnung zu tragen, ohne dabei die strukturellen Ursachen von Krisen und die Erfordernisse nachhaltiger Entwicklung aus dem Blick zu verlieren.
Englisch
Français
Deutsch
Español
русский
हिंदी
اردو