Großrazzia in der Türkei: 175 Verdächtige in Israel-verknüpftem Betrugsfall
Ankara, den 18. September /QNA/ „Wenn die Opfer ihr Geld zurückverlangten, wurden neue Zahlungen von ihnen gefordert. Mal hieß es, ihr Konto sei gesperrt, mal sollten angeblich Steuern beglichen werden.“ Mit diesen Worten beschrieb der türkische Justizminister Akın Gürlek die Arbeitsweise eines mutmaßlich internationalen Betrugsnetzwerks, gegen das die Behörden des Landes nun in großem Umfang vorgehen.
Von 239 Personen, gegen die Haftbefehle erlassen worden waren, wurden nach Angaben des Ministers bislang 175 festgenommen. Die Fahndung nach den übrigen Verdächtigen dauert an.
Im Zentrum der Ermittlungen stehen 42 Callcenter, die 28 Unternehmen zugeordnet werden. Von dort aus sollen ausländische Staatsangehörige zu Investitionen im Devisenhandel und in Kryptowährungen verleitet worden sein.
Vier getrennte Ermittlungsverfahren führte die Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft im Laufe dieses Jahres. Sie zeichnen das Bild eines Systems, das mit digitaler Werbung begann und mit dem Transfer des Geldes auf ausländische Konten und Kryptowährungs-Wallets endete.
Über Anzeigen im Internet und Beiträge in sozialen Netzwerken wurden mögliche Opfer zunächst auf angeblich besonders einträgliche Investitionen aufmerksam gemacht. Mehrsprachige Kundendienstmitarbeiter nahmen dann Kontakt mit ihnen auf und bewegten sie zu ersten Einzahlungen.
Was anschließend auf den Bildschirmen erschien, wirkte wie ein Anlageerfolg: Die von den Verdächtigen kontrollierten Plattformen zeigten steigende Gewinne an. Nach Darstellung der Ermittler waren diese Erträge jedoch fiktiv und dienten allein dazu, die Opfer zu weiteren Investitionen zu veranlassen.
„Die Auswertung der Finanzströme, die Arbeit des Nachrichtendienstes und der Polizei sowie Hunderte über Interpol erfasste Beschwerden haben gezeigt, dass Personen mit Verbindungen zu israelischen Akteuren die Mehrheit der Eigentümer und wirtschaftlich Berechtigten der Unternehmen stellen“, erklärte Gürlek auf der türkischen Plattform „NSosyal“.
Gerade die Frage nach den wirtschaftlich Berechtigten ist für die Ermittler von Bedeutung. Bei ihnen handelt es sich um jene Personen, die Unternehmen nicht unbedingt unmittelbar führen, letztlich aber von deren Geschäften profitieren.
Geografisch war das mutmaßliche Netzwerk breit aufgestellt. Besonders häufig wurden nach Angaben des Ministers Menschen in Europa, Fernost und Afrika angesprochen.
Innerhalb von zwei Jahren bewegten die beteiligten Unternehmen demnach rund 266 Millionen Dollar. Nach bisheriger Einschätzung der Ermittler könnte diese Summe allein den Kosten des Bürobetriebs und der Bezahlung der Mitarbeiter zuzurechnen sein.
Am Morgen durchsuchten die Behörden zeitgleich 286 Anschriften in Istanbul und Muğla. An der Aktion waren auch Interpol-Einheiten beteiligt. Sie richtete sich gegen sämtliche 239 Verdächtige sowie gegen die 42 Callcenter der 28 Unternehmen.
Für die Türkei ist es nicht der erste größere Einsatz gegen diese Form des Anlagebetrugs. Schon im Juli gingen die Behörden in mehreren getrennten Aktionen gegen Netzwerke vor, die Investitionsplattformen und Forex-Geschäfte für mutmaßliche Betrugsdelikte genutzt haben sollen.
Bei einer Razzia in Istanbul wurden damals 54 Verdächtige festgenommen. In einem anderen Verfahren ergingen Haftbefehle gegen 25 Personen, denen vorgeworfen wird, ihre Opfer um Hunderte Millionen Türkische Lira gebracht zu haben.
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