Nach Jahren unter Trümmern: Massenbeisetzung für 112 Familienmitglieder in Gaza
Gaza, den 04. August / QNA / Mehr als zwei Jahre nach einem israelischen Luftangriff haben Palästinenser im Gazastreifen die sterblichen Überreste von 112 Mitgliedern einer Großfamilie beigesetzt. Tausende Menschen nahmen heute am Trauerzug in Gaza-Stadt teil. Die Märtyrer gehörten den Familien Abu Scharia und Al Hassaina an, deren Wohnblock im Stadtteil Al Sabra am 22. November 2023 nahezu vollständig zerstört worden war.
Die außergewöhnlich große Trauerfeier fand auf dem Gelände des zerstörten Wohnblocks statt. Dort wurden die mit palästinensischen Flaggen bedeckten Totenbahren nebeneinander aufgereiht. Neben zahlreichen Einwohnern waren Vertreter lokaler und öffentlicher Institutionen sowie Mitarbeiter des Zivilschutzes an der Zeremonie anwesend. Nach dem Totengebet wurden die Leichen und sterblichen Überreste auf dem Al-Maamadani-Friedhof im südöstlich von Gaza-Stadt gelegenen Viertel Al Zaytoun beigesetzt.
Hinter der gemeinsamen Beisetzung steht eine der schwersten Familientragödien seit Beginn des Krieges. Nach Angaben des palästinensischen Zivilschutzes wurden beim schonungslosen israelischen Angriff insgesamt 308 Mitglieder der Familie sowie angeheiratete und weitere Verwandte umgebracht. Unter den Opfern seien 44 Kinder unter 16 Jahren, 37 Frauen und mehr als zehn Menschen mit Behinderungen gewesen. Auch der Älteste der Familie sowie zahlreiche ältere und jüngere Männer sollen ums Leben gekommen sein.
Die Bergung der bislang gefundenen Opfer dauerte fast zwei Wochen. Insgesamt arbeiteten die Einsatzkräfte nach eigenen Angaben 136 Stunden daran, Trümmer abzutragen und nach Leichen und menschlichen Überresten zu suchen. Die Arbeiten wurden am vergangenen Samstag abgeschlossen. Wegen der begrenzten technischen Möglichkeiten konnten jedoch bislang nur 112 der mutmaßlich 308 Todesopfer geborgen werden.
Für die Einsatzkräfte bedeutete die Suche unter den Trümmern eine kaum zu bewältigende Aufgabe. Der Wohnblock war durch den Luftangriff nahezu vollständig zerstört und in Schutt und Asche gelegt worden. Da seit dem Angriff mehr als zwei Jahre vergangen waren, befanden sich die geborgenen Leichen und sterblichen Überreste nach Angaben des Zivilschutzes in einem fortgeschrittenen Zustand der Verwesung.
Einige Opfer konnten lediglich anhand ihrer Kleidung und persönlicher Gegenstände identifiziert werden. Bei einzelnen Frauen hätten Schmuckstücke wie goldene Halsketten Hinweise auf ihre Identität geliefert, erklärte der Sprecher des Zivilschutzes, Mahmoud Bassal, gegenüber der Katarischen Nachrichtenagentur (QNA). Die geborgenen Toten seien anschließend gemeinsam in einem Massengrab beigesetzt worden.
Für die gesamten Bergungsarbeiten stand nach Angaben Bassals nur eine einzige schwere Baumaschine zur Verfügung, die sich bereits vor Ort befunden habe. Der Zivilschutz macht israelische Einfuhrbeschränkungen dafür verantwortlich, dass dringend benötigte Hilfsgüter, Räumfahrzeuge und weitere Maschinen nicht in den Gazastreifen gebracht werden konnten. Israelische Streitkräfte hätten zudem seit dem Tag des Angriffs den Zugang zu dem zerstörten Wohnblock und damit eine frühere Bergung der Opfer verhindert.
Während die sterblichen Überreste von 112 Familienmitgliedern nun beigesetzt wurden, werden zahlreiche weitere Opfer unter den Trümmern vermutet. Die im Ausgangstext genannten Opferzahlen, die Umstände des Angriffs und die Vorwürfe gegen die israelischen Streitkräfte ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Eine israelische Stellungnahme zu den konkreten Angaben wurde darin nicht angeführt.
Parallel dazu fordert der palästinensische Zivilschutz internationalen Druck, damit schweres Bergungsgerät und Maschinen zur Trümmerbeseitigung in den Gazastreifen gelangen können. Ohne zusätzliche Ausrüstung seien die überwiegend mit einfachen Mitteln arbeitenden Rettungskräfte kaum in der Lage, die Suche fortzusetzen. Angesichts der großflächigen Zerstörungen übersteige die Zahl der noch unter eingestürzten Gebäuden vermuteten Opfer die vorhandenen Kapazitäten bei Weitem.
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