GCO und Botschaft Katars veranstalten „Runway to Web Summit Qatar“ in Washington
Washington DC, den 04. Oktober /QNA/ Mit dem Web Summit will sich Doha als Technologiezentrum des Nahen Ostens etablieren. Eine Veranstaltungsreihe in den Vereinigten Staaten und mehreren europäischen Metropolen soll nun Gründer, Investoren und internationale Konzerne nach Katar locken.
Der Staat Katar will nicht länger nur als bedeutender Energieexporteur wahrgenommen werden. Es arbeitet daran, sich einen festen Platz auf der digitalen Landkarte zu sichern, als Standort für Technologieunternehmen, internationale Investoren und junge Gründer. Der Web Summit Qatar, dessen vierte Ausgabe vom 31. Januar bis zum 3. Februar 2027 in Doha stattfinden soll, ist dabei weit mehr als eine Großveranstaltung: Er ist Teil einer wirtschaftspolitischen Strategie.
Wie ernst es Katar mit diesem Anspruch ist, zeigte sich bei einer gemeinsamen Veranstaltung des Government Communications Office (GCO) und der katarischen Botschaft in den Vereinigten Staaten. Vertreter großer amerikanischer Unternehmen, darunter Google, Amazon, Microsoft, Berkshire Hathaway Energy und TechMet, trafen dort auf Investoren, Unternehmer und Start-ups.
Zwölf Redner aus Katar und den Vereinigten Staaten diskutierten darüber, wie internationale Partnerschaften entstehen, welche Bedingungen junge Unternehmen benötigen und welche Rolle sogenanntes intelligentes Kapital beim Aufbau der nächsten Unternehmensgeneration spielen kann. Dabei ging es nicht nur um Finanzierung. Mindestens ebenso wichtig waren der Zugang zu Märkten, die Vernetzung mit etablierten Unternehmen und die Frage, wie aus einer vielversprechenden Geschäftsidee ein international skalierbares Unternehmen werden kann.
Die Veranstaltung gehört zur Reihe Runway to Web Summit Qatar. Ihr Ziel ist es, bereits vor Beginn des eigentlichen Gipfels Verbindungen zwischen dem katarischen und dem internationalen Technologie- und Investitionssektor herzustellen.
Die Vereinigten Staaten nehmen dabei eine besondere Stellung ein. Katar möchte sowohl an die starke amerikanische Beteiligung am Web Summit Qatar 2026 anknüpfen als auch zusätzliche Unternehmen und Investoren für die kommende Ausgabe gewinnen.
S.E. der katarische Botschafter in den Vereinigten Staaten, Scheich Meshal bin Hamad Al Thani, sprach von einer langjährigen strategischen Partnerschaft zwischen beiden Ländern. Technologie und Innovation würden zu immer bedeutenderen Säulen dieser Zusammenarbeit.
Amerikanische Unternehmen und Start-ups seien bereits 2026 stark vertreten gewesen, sagte der Botschafter. Die zweite Runway-Veranstaltung solle dieses Engagement vertiefen und Gründer wie Investoren mit neuen Partnerschaften und Wachstumschancen in Katar und der Region zusammenbringen.
„Je enger diese Akteure miteinander vernetzt werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass aus ersten Begegnungen dauerhafte Geschäftsbeziehungen entstehen. Genau darauf setzt Katar: Der Web Summit soll nicht lediglich für einige Tage internationale Aufmerksamkeit erzeugen, sondern langfristig Kapital, Wissen und Unternehmen ins Land holen”, betonte Scheich Meshal.
Soud Ahmed Al Boinin, Direktor für Studien und strategische Planung beim Government Communications Office, verwies auf die Resonanz der vorangegangenen Veranstaltung. Von den Teilnehmern des Runway-Formats im vergangenen Jahr seien später 40 Prozent nach Doha gereist, um am Web Summit Qatar teilzunehmen.
Für Al Boinin ist diese Quote ein Beleg dafür, dass die internationale Veranstaltungsreihe ihre Wirkung nicht verfehlt. „Die Veranstaltung im vergangenen Jahr stieß auf außerordentlich große Resonanz“, sagte er. Deshalb werde man das Format nicht nur in Washington fortsetzen. Weitere Stationen seien bereits geplant.
Auch die amerikanische Präsenz beim Gipfel ist nach Angaben Al Boinins beträchtlich. Rund 22 Prozent der Partner kämen aus den Vereinigten Staaten, darunter Snapchat, Amazon, Microsoft und Google. Damit bildeten die USA die am stärksten vertretene ausländische Nation.
Dass diese Unternehmen in Doha Präsenz zeigen, ist für Katar von erheblichem symbolischem Wert, sagte Al Boinin. Entscheidend sei jedoch, ob aus ihrer Teilnahme auch nachhaltige Investitionen hervorgingen. Ein Technologiestandort entstehe schließlich weder durch prominente Unternehmensnamen noch durch eine einzelne internationale Konferenz. Er brauche vielmehr Kapital, qualifizierte Fachkräfte, verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen und einen Markt, auf dem sich neue Geschäftsmodelle erproben ließen.
Katar habe das Kapital für sein Start-up-Ökosystem innerhalb von zwei Jahren verdreifacht, unterstrich Al Boinin. Zugleich kämen mittlerweile 85 Prozent der am Web Summit Qatar teilnehmenden Start-ups aus dem Ausland.
Ihm zufolge zeigen die Zahlen, wie international die Veranstaltung bereits geworden ist. Zugleich machen sie deutlich, worin die eigentliche Herausforderung liegt: Katar muss die internationale Aufmerksamkeit in nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung überführen.
Solange Unternehmen lediglich für eine Konferenz nach Doha kämen und anschließend wieder abreisten, bleibe der wirtschaftliche Effekt begrenzt. Entscheidend werde sein, ob es Katar gelinge, Gründer für eine dauerhafte Präsenz zu gewinnen, Niederlassungen aufzubauen, Mitarbeiter einzustellen und ihre regionalen Aktivitäten von Doha aus zu steuern.
Das Ziel sei, Katar zum Technologiezentrum der Region zu entwickeln, führte Al Boinin aus. Die dafür erforderlichen Instrumente seien vorhanden. Tatsächlich verfügt das Land über erhebliche finanzielle Mittel, eine moderne Infrastruktur und internationale Verkehrsverbindungen. Doch selbst günstige Ausgangsbedingungen garantieren keinen Erfolg.
Wären weder geeignete Finanzierungsmöglichkeiten noch verlässliche Zulassungsverfahren vorhanden, ließe sich ein wettbewerbsfähiges Start-up-Ökosystem kaum aufbauen. Umgekehrt reicht Kapital allein nicht aus. Es braucht eine unternehmerische Kultur, die Experimente zulässt und in der auch das Scheitern eines Geschäftsmodells nicht zwangsläufig das Ende einer Gründerkarriere bedeutet.
Aus Sicht von Invest Qatar liegt die besondere Attraktivität des Landes in seiner Funktion als Ausgangspunkt für die gesamte Golfregion.
Dr. Hamad Rashid Al Naimi, Strategiechef der Investitionsförderungsagentur, berichtete, amerikanische Unternehmen könnten in Katar zunächst Kontakte knüpfen und neue Lösungen erproben. Anschließend könnten sie ihre Geschäftstätigkeit im Land aufbauen und von dort aus in die Region expandieren.
Invest Qatar wolle ausländischen Unternehmen dabei helfen, lokale Partner zu finden, die Dynamik des Marktes zu verstehen und sich mit den Zulassungs- und Lizenzierungsverfahren vertraut zu machen. Auch nach der Gründung sollten die Unternehmen bei ihrem Wachstum und ihrer regionalen Expansion begleitet werden.
Al Naimi rief Gründer dazu auf, den Web Summit Qatar als Einstiegspunkt zu nutzen. Dort könnten sie Investoren, Unternehmen, Behörden und andere Gründer an einem Ort treffen und sich zugleich über das Programm Start-up Qatar informieren.
„Für internationale Unternehmer schafft eine solche Bündelung einen erheblichen Mehrwert. Der Eintritt in einen neuen Markt ist häufig mit einem beträchtlichen Zeitaufwand verbunden, insbesondere bei der Suche nach den richtigen Ansprechpartnern und der Einschätzung regulatorischer und wirtschaftlicher Besonderheiten. Wenn die maßgeblichen Akteure zusammengebracht werden, lässt sich dieser Prozess wesentlich effizienter gestalten“, hob Al Naimi hervor.
Craig Becker, Veranstaltungschef bei Web Summit, begründete die Entscheidung für Katar vor allem mit den praktischen Voraussetzungen des Landes. Wer eine internationale Technologiekonferenz ausrichten wolle, benötige sowohl einen Veranstaltungsort von Weltrang als auch einen international gut angebundenen Flughafen und eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur. Katar verfüge über all dies.
Doch Becker hob nicht nur die materiellen Voraussetzungen hervor. Besonders beeindruckt habe ihn die Energie der beteiligten Institutionen und Unternehmen. Vom Government Communications Office bis zu den übrigen Akteuren seien alle entschlossen, die internationalen Möglichkeiten Katars sichtbar zu machen.
„Sämtliche Beteiligten ziehen an einem Strang“, sagte Becker. Zugleich würden Hindernisse beseitigt, die Unternehmen normalerweise daran hindern könnten, ihre Geschäftstätigkeit aufzunehmen und rasch am Markt Fuß zu fassen.
Die Geschlossenheit könne nach Beckers Einschätzung ein Vorteil sein, da eine enge Abstimmung zwischen staatlichen Stellen, Investoren und Unternehmen schnellere Entscheidungen ermögliche. Gleichzeitig entstehe daraus eine Verpflichtung. Wolle Katar dauerhaft als internationaler Technologiestandort wahrgenommen werden, müssten die angekündigten Erleichterungen nicht nur auf Konferenzen, sondern auch im konkreten Geschäftsalltag funktionieren.
Wie entscheidend persönliche Netzwerke sein können, zeigt das Beispiel von Mariam Nusrat, Gründerin und Geschäftsführerin von Breshna.io. Katar habe maßgeblich zum Wachstum ihres Unternehmens beigetragen, sagte sie. Zahlreiche Geschäftskontakte ihres Unternehmens ließen sich auf Begegnungen in Doha zurückführen.
Besonders bemerkenswert sei, dass Katar nicht nur das Unternehmen, sondern auch den Menschen dahinter unterstütze. Die Infrastruktur ermögliche es internationalen Unternehmern, im Land heimisch zu werden.
Dabei gehe es nicht allein darum, Unternehmen in Katar aufzubauen. Vielmehr könnten Gründer von dort aus Produkte und Dienstleistungen für die gesamte Golfregion entwickeln.
Nusrats Aussage berührt einen Punkt, der in vielen Standortstrategien unterschätzt wird. Hoch qualifizierte Unternehmer entscheiden nicht ausschließlich nach Steuersätzen oder Förderprogrammen. Ebenso wichtig sind Lebensqualität, internationale Schulen, rechtliche Verlässlichkeit und die Frage, ob sie sich mit ihren Familien langfristig an einem Ort niederlassen können.
Ein Land, so sie weiter, das ausländische Gründer gewinnen wolle, müsse daher sowohl wirtschaftliche Chancen als auch persönliche Perspektiven bieten. Nur wenn beides zusammenkomme, könnte aus einem vorübergehenden Aufenthalt eine langfristige Bindung entstehen.
Nach der Veranstaltung in den Vereinigten Staaten soll die Runway-Reihe in Europa fortgesetzt werden. Geplant sind Stationen in Paris, Berlin, Düsseldorf und Stockholm. Dort sollen Technologieunternehmen, Investoren, Gründer und Führungskräfte auf ihre mögliche Teilnahme am Web Summit Qatar 2027 vorbereitet werden.
Die Auswahl dieser Städte ist kein Zufall. Paris, Berlin und Stockholm gehören zu den wichtigsten europäischen Standorten für junge Technologieunternehmen und Risikokapital. Düsseldorf wiederum ist eng mit der deutschen Industrie und zahlreichen international tätigen Konzernen verbunden.
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