QNB: Eurozone droht Wachstumsrückgang aufgrund geopolitischer Rückschläge
Doha, den 16. Mai /QNA/ Die Nationale Bank von Katar (QNB) hat deutliche Indikatoren veröffentlicht, die auf eine Verschlechterung der Konjunkturaussichten in der Eurozone hindeuten. Hauptursache hierfür ist eine sich beschleunigende Abschwächung sowohl im verarbeitenden Gewerbe als auch im Dienstleistungssektor in einigen der größten Volkswirtschaften der Region.
In ihrem wöchentlichen Bericht erklärte QNB, dass der jüngste Rückgang des Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Eurozone auf 48,6 Punkte bereits einen leichten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Quartalsvergleich signalisiert. Diese Verlangsamung deckt sich mit den zurückhaltenden makroökonomischen Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF), der derzeit für Deutschland, Frankreich und Italien ein reales BIP-Wachstum von unter 1% erwartet. Anhaltender Energiekostendruck und verschärfte geopolitische Spannungen belasten den Euroraum weiterhin.
QNB prognostiziert, dass die Frühindikatoren zu Jahresbeginn zwar zunächst auf eine moderate wirtschaftliche Erholung der Eurozone hindeuteten, dieser Aufwärtstrend jedoch durch die militärischen Eskalationen im Nahen Osten einen plötzlichen und schweren Rückschlag erlitt.
Laut der QNB-Analyse erscheinen die wichtigsten Daten zur Fertigungsindustrie in der Eurozone zunächst bemerkenswert robust. Der regionale Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe stieg auf 52,2 Punkte und überschritt damit die kritische Schwelle von 50 Punkten, die zwischen Wachstum und Schrumpfung trennt. QNB betonte jedoch, dass dieses Wachstum nicht auf einer echten Erholung der zugrunde liegenden Verbrauchernachfrage beruhe, sondern vielmehr auf einer massiven Welle von Vorsorgekäufen. Unternehmen versuchen in Panik, sich Rohstoffe und Vorprodukte zu sichern, um befürchteten Engpässen in den maritimen Lieferketten vorzubeugen. Auf nationaler Ebene stellte QNB fest, dass die Industrielandschaft deutlich fragmentierter und komplexer ist, als diese Kennzahlen vermuten lassen. So fiel der deutsche Index für das verarbeitende Gewerbe laut QNB aufgrund eines starken Rückgangs der Neuaufträge und zunehmender Konsumzurückhaltung angesichts geopolitischer Unsicherheiten auf 51,2 Punkte. Frankreich hingegen verzeichnete mit 52,8 Punkten den höchsten Wert der Eurozone. QNB führte diesen Anstieg jedoch ausschließlich auf staatliche Rüstungsbeschaffung und eine lokale Erholung der Automobilproduktion zurück. Italien hielt sich unterdessen stabil bei 51,3 Punkten, was QNB erneut fast ausschließlich durch vorsorgliche Lager- Aufstockungen erklärte. Im Gegensatz zu den übrigen großen Volkswirtschaften der Eurozone identifizierte QNB Spanien als einziges Kernland, das in einen deutlichen Rückgang der Produktionsleistung abrutschte; der Index fiel auf 48,7 Punkte. QNB erklärte, Spanien habe nicht von den vorübergehenden Impulsen der Lageraufstockung profitiert, die die Industrieproduktion andernorts in der Eurozone künstlich in die Höhe getrieben hatten. In allen vier Kernländern beobachtete QNB einen äußerst besorgniserregenden Trend: Die Beschäftigungsindikatoren begannen sich abzuschwächen, und das allgemeine Geschäftsklima sank auf den niedrigsten Stand seit Ende 2022.
QNB hob zudem hervor, dass der Produktionssektor zwar oberflächlich betrachtet Stärke zeigt, die Lage des lebenswichtigen Dienstleistungssektors – der rund 70 % des Eurozone-BIP erwirtschaftet – jedoch weiterhin äußerst besorgniserregend ist.
Laut QNB hat sich die Aktivität im Dienstleistungssektor in der gesamten Region drastisch verlangsamt. Der aggregierte Einkaufsmanagerindex (PMI) für den Dienstleistungssektor der Eurozone fiel auf 47,4 Punkte und verzeichnete damit den schwächsten und am verstärksten Rückgang seit dem Höhepunkt der COVID-19-Pandemie.
Nach QNB-Ansagen sind die Ursachen dieses starken Aufschwungs -die Haushalte ihre freiwilligen Ausgaben massiv von Dienstleistungen auf lebensnotwendige Güter umgelenkt haben, wohingegen gleichzeitig konsumnahe Unternehmen aufgrund volatiler Energiepreise unter enormem operativem Druck standen.
QNB erklärte, dass dieser Einbruch im Dienstleistungssektor vor allem durch die beiden Wirtschaftsmächte der Eurozone, Deutschland und Frankreich, verursacht wurde, wo die makroökonomische Unsicherheit die Unternehmens- und Konsumausgaben stark eingeschränkt haben. QNB stellte fest, dass der deutsche Dienstleistungs-PMI deutlich auf 46,9 Punkte fiel– der stärkste Rückgang seit Ende 2022. Die französische Dienstleistungsaktivität schrumpfte so stark wie zuletzt vor 14 Monaten mit 46,5 Punkten.
Ebenso beobachtete QNB, dass der italienische Gesamtindex auf 49,2 Punkte fiel und damit in den negativen Bereich rutschte. Dies spiegelt eine deutliche Schwäche der Binnennachfrage trotz des stabilen verarbeitenden Gewerbes wider.
QNB fügte hinzu, dass Spanien zwar mit einer relativ starken Wirtschaftsdynamik ins Jahr gestartet war, der Dienstleistungssektor jedoch letztendlich unter starkem Druck stand, bedingt durch einen deutlichen Rückgang tourismusabhängiger Unternehmen und ein sinkendes Verbrauchervertrauen.
QNB kam zu dem Schluss, dass diese Indikatoren einen starken und strukturell bedeutsamen Abschwung im Dienstleistungssektor der Eurozone belegen. Dieser ist eine direkte Folge sich verstärkender makroökonomischer Belastungen und volatiler geopolitischer Entwicklungen im Nahen Osten.
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