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Eine Sprecherin des Ministeriums für Soziales in Gaza zu „QNA“: Mehr als 50.000 Witwen – eine humanitäre Katastrophe mit dem Gesicht der Frauen

Ausland

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Gaza, den 24. Juni /QNA/ Im Gazastreifen wächst nach Angaben des dortigen Ministeriums für Soziales die Zahl der Witwen in einem bislang beispiellosen Ausmaß. Verantwortlich gemacht wird dafür der seit mehr als zwei Jahren andauernde Krieg, dessen Folgen weit über unmittelbare Zerstörung hinausreichen: Familienstrukturen brechen auseinander, soziale Sicherungsnetze geraten unter Druck, und die humanitäre Lage verschärft sich weiter.

Wie Aziza Al Kahlout, Sprecherin des Ministeriums für Soziales in Gaza, erklärte, sei die Gesamtzahl der Witwen im Gazastreifen infolge des israelischen Krieges seit dem Jahr 2023 auf über 50.000 gestiegen.

In einem Gespräch mit der Katarischen Nachrichtenagentur „QNA“ zum Internationalen Tags der Witwen, der jedes Jahr am 23. Juni begangen wird, erläuterte Frau Al Kahlout, dass die erschütternden Zahlen zeigten, wie tief der Krieg in die soziale Struktur des Gazastreifens eingegriffen habe. Allein durch den Krieg seien 28.224 palästinensische Frauen neu verwitwet worden. Sie kämen zu rund 22.596 Witwen hinzu, die bereits vor Ausbruch der Krise in den Registern des Ministeriums geführt worden seien. Zehntausende Frauen sähen sich nun einer bitteren Realität gegenüber: dem Verlust des Ehemanns, der alleinigen Verantwortung für die Versorgung ihrer Familien und einem Alltag, der von umfassender Zerstörung und dem Zusammenbruch nahezu aller Lebensgrundlagen geprägt sei.

Al Kahlout machte deutlich, dass diese Zahl weiter steigen könne, da der israelische Angriff andauere und die Registrierung sämtlicher Witwen im Gazastreifen noch nicht abgeschlossen sei. Damit sei das bisher vorliegende Bild, so dramatisch es bereits erscheine, womöglich nur ein Teil der tatsächlichen Tragödie.

Die Sprecherin wies darauf hin, dass der diesjährige internationale Gedenktag die Aufmerksamkeit auf eine Realität lenke, die zu den härtesten der modernen Geschichte gehöre: auf das Schicksal palästinensischer Frauen in Gaza, die durch gewaltsamen Verlust, massive menschliche Opfer und eine tiefgreifende soziale Erschütterung gezeichnet seien.

„Besonders stark betroffen sind nach den vorliegenden Zahlen das Gouvernement Gaza und der Norden des Gazastreifens“, sagte Aziza Al Kahlout. Auf Gaza entfielen 40,8 Prozent aller registrierten Witwen, auf Nordgaza weitere 22,5 Prozent. Damit konzentriere sich in diesen beiden Gebieten ein erheblicher Teil jener sozialen und humanitären Not, die rasche Hilfsmaßnahmen, gezielte Unterstützung und unmittelbare Nothilfe erforderlich mache.

„Noch deutlicher wird das Ausmaß der Krise beim Blick auf die Altersstruktur“, führte Al Kahlout weiter aus. Die größte Gruppe der Kriegswitwen bildeten Frauen zwischen 18 und 45 Jahren – also jene Altersgruppe, die eigentlich im Erwerbsleben stehen, Familien versorgen und wirtschaftliche Stabilität schaffen könnte. Mit 64 Prozent aller Witwen, rund 16.877 Frauen, stünden sie nun vor der Aufgabe, persönliche Trauer, familiäre Verantwortung und wirtschaftliche Unsicherheit zugleich zu bewältigen. Daraus ergebe sich ein dringender Bedarf an Programmen, die nicht nur kurzfristige Hilfe leisteten, sondern Arbeitsmöglichkeiten eröffneten, wirtschaftliche Selbstständigkeit förderten und Wege aus der Bedürftigkeit ermöglichten.

Besonders alarmierend sind nach Einschätzung der Sprecherin des Ministeriums für soziale Entwicklung zwei Gruppen, die im Gespräch mit QNA ausdrücklich hervorgehoben wurden: minderjährige Witwen und ältere Frauen. Zwar stellten Witwen unter 18 Jahren mit 0,4 Prozent nur einen kleinen Anteil dar, doch gerade sie seien in besonderer Weise gefährdet. Benötigt würden rechtlicher Schutz, psychologische Betreuung und soziale Unterstützung, die der Schwere ihrer Erfahrungen tatsächlich gerecht werden.

Nicht weniger prekär ist die Lage älterer Witwen ab 60 Jahren, die 14,9 Prozent der Gesamtzahl ausmachen. Für sie brauche es dauerhaft verfügbare Gesundheits- und Sozialdienste, damit ein Leben in Würde überhaupt möglich bleibe. Unter Bedingungen, die von Krieg, Blockade, materieller Not und einem drastisch eingeschränkten Zugang zu humanitärer und medizinischer Hilfe geprägt seien, werde Alter zusätzlich zu einem Risiko.

Vor diesem Hintergrund beschrieb die Sprecherin den Schutz und die Stärkung der Witwen im Gazastreifen als nationale und humanitäre Gemeinschaftsaufgabe. Gefordert sei eine Antwort, die nicht nur kurzfristig Not lindere, sondern auch tragfähige Perspektiven eröffne. Im Zentrum stünden regelmäßige finanzielle Hilfen und Nothilfemaßnahmen, damit Witwen und ihre Familien zumindest ein Minimum an Sicherheit, Versorgung und Würde bewahren könnten.

Materielle Hilfe allein reiche jedoch nicht aus, so Al Kahlout. Ausgebaut werden müssten ebenso psychosoziale Programme und die medizinische Versorgung, da viele Frauen neben dem Verlust ihrer Ehemänner auch mit Traumata, Überforderung und existenzieller Unsicherheit leben müssten. Hinzu komme ein erheblicher Bedarf an juristischer Beratung – von Fragen der Vormundschaft und des Sorgerechts über finanzielle Ansprüche bis hin zu Erbschaftsangelegenheiten und weiteren Verfahren, die über die Zukunft ganzer Familien entscheiden könnten. 

Die Sprecherin des Ministeriums für soziale Entwicklung erneuerte ihren Appell an die internationale Gemeinschaft, an die Vereinten Nationen und an humanitäre Organisationen, ihrer rechtlichen und moralischen Verantwortung nachzukommen. Sie forderte, Schutz- und Hilfsprogramme für Witwen im Gazastreifen deutlich auszuweiten, damit diese Frauen ein würdiges Leben führen, ihre Rechte und die Rechte ihrer Kinder gewahrt bleiben und die anhaltenden katastrophalen Folgen dieses zerstörerischen Krieges zumindest gemildert werden können.

Der sprunghafte und erschütternde Anstieg der Zahl der Witwen im Gazastreifen ist ein unmittelbarer Ausdruck der blutigen und beispiellosen Opferbilanz des Angriffs. Nach den jüngsten offiziellen Angaben des Gesundheitsministeriums ist die Zahl der Getöteten auf mehr als 73.039 gestiegen, hinzu kommen über 173.388 Verletzte sowie Tausende Vermisste unter den Trümmern. Unter ihnen befinden sich in besonders hohem Maße Väter und Familienernährer.

Damit stehen palästinensische Frauen vor einer gewaltigen wirtschaftlichen und sozialen Lücke. Tausende Ehefrauen und Mütter sind, während die elementaren Grundlagen des Lebens vollständig zusammengebrochen sind, plötzlich zu den Hauptversorgerinnen ihrer Familien geworden – in einem Umfeld, in dem nicht nur Häuser, Schulen und Krankenhäuser zerstört wurden, sondern auch jene soziale Sicherheit, auf der ein Leben in Würde überhaupt erst aufbauen könnte.

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