Oberstes Komitee für Projekte und Vermächtnis: Katarische Freiwillige im Einsatz für die Asienspiele
Nagoya, den 03. Oktober /QNA/ Wenn ein großes Sportereignis endet, verschwinden die Zuschauer aus den Stadien, die Scheinwerfer werden ausgeschaltet und die temporären Kulissen abgebaut. Was bleibt, sind nicht nur Erinnerungen und Bilder, sondern auch die Erfahrungen jener Menschen, ohne deren Einsatz solche Veranstaltungen kaum möglich wären: der Freiwilligen.
Im „Qatar House“, das anlässlich der Asienspiele 2026 im japanischen Aichi-Nagoya seine Türen geöffnet hat, stellt das Oberste Komitee für Projekte und Vermächtnis derzeit dieses weniger sichtbare, für Katar jedoch besonders bedeutsame Erbe in den Mittelpunkt. Die Spiele finden morgen ihren Abschluss.
Mit nach Japan gereist sind mehrere katarische Freiwillige, die bereits an einigen der größten Sportveranstaltungen des Landes mitgewirkt haben. Sie waren bei der FIFA-Fussball-Weltmeisterschaft Katar 2022 im Einsatz, unterstützten die Organisation des AFC Asian Cup Qatar 2023 und engagierten sich während jener außergewöhnlichen Fußballsaison, in der Katar 2025 innerhalb weniger Wochen mehrere internationale Turniere ausrichtete.
Das „Qatar House“ ist eine Initiative des Katarischen Olympischen Komitees. Es versteht sich als Ort der Begegnung, an dem die Besucher Katars kulturelles Erbe und die sportliche Entwicklung des Landes auf interaktive Weise kennenlernen können. Der Blick richtet sich dabei nicht ausschließlich auf vergangene Erfolge. Schließlich stehen in den kommenden Jahren weitere Großveranstaltungen bevor. Das Freiwilligenprogramm soll deshalb auch künftig dazu beitragen, Gästen, Mannschaften und Fans ein Erlebnis zu bieten, das internationalen Ansprüchen gerecht wird.
Für Haya Al Noaimi, Exekutivdirektorin für Personal- und Freiwilligenmanagement bei Veranstaltungen im Obersten Komitee für Projekte und Vermächtnis, liegt der Wert des katarischen Sporterbes vor allem darin, dass es über Stadien, Infrastruktur und Turnierstatistiken hinausreicht. Die großen Wettbewerbe hätten dazu beigetragen, freiwilliges Engagement dauerhaft in der Gesellschaft zu verankern. Davon profitierten nicht zuletzt die Fans, deren Eindruck von einem Turnier wesentlich durch die Begegnungen mit den Helferinnen und Helfern geprägt werde.
„Mit der Teilnahme unserer Freiwilligen am Qatar House möchten wir zeigen, dass freiwilliges Engagement in Katar zu einer fest verankerten gesellschaftlichen Kultur geworden ist“, sagt Al Noaimi. „Es handelt sich um ein nachhaltiges Vermächtnis, dessen Wirkung nicht mit dem Ende einer Veranstaltung erlischt.“
Die Geschichten der Freiwilligen, so ihre Hoffnung, könnten andere dazu ermutigen, sich bei künftigen Veranstaltungen ebenfalls einzubringen. Auf diese Weise wachse eine Gemeinschaft heran, die nicht nur über organisatorische Erfahrung, sondern auch über Begeisterungsfähigkeit, Talent und ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl verfüge.
„Unser wichtigstes Vermächtnis ist eine starke Gemeinschaft erfahrener und engagierter Freiwilliger“, sagt Al Noaimi. „Mit ihrer Arbeit stärken sie Katars Kompetenz als Gastgeber großer Veranstaltungen. Das Wissen, das sie bei ihren Einsätzen erwerben, erweitert die organisatorischen Kapazitäten des Landes und verbessert seine Voraussetzungen, auch künftig bedeutende regionale und internationale Ereignisse auszurichten.“
Einer dieser Freiwilligen ist Ali Al Khater. Beruflich arbeitet der Katarer im Öl- und Gassektor, bei der FIFA-Fussball-Weltmeisterschaft Katar 2022 war er dagegen in der Gästebetreuung tätig. Im „Qatar House“ erinnert er sich vor allem daran, wie schnell Menschen, die aus unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen stammen, zu einem Team zusammenfinden können.
„Mein Einsatz bei der Weltmeisterschaft hat mir gezeigt, dass Menschen trotz ihrer unterschiedlichen kulturellen Hintergründe gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten können“, sagt Al Khater. „Für mich ist das einer der schönsten Werte, die der Sport vermittelt.“
Nicht allein die Bewältigung organisatorischer Aufgaben habe seine Erfahrung geprägt. Entscheidend sei vielmehr das Gefühl gewesen, Teil eines internationalen Teams zu sein, in dem Herkunft und Sprache weniger wichtig waren als die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Auch für Lulwa Bou Karbal ist freiwilliges Engagement weit mehr als praktische Unterstützung im Hintergrund eines Turniers. Die katarische Architekturstudentin versteht ihre Einsätze als Gelegenheit zum kulturellen Austausch. Weil sie Koreanisch spricht, arbeitete sie während der FIFA-Fussball-Weltmeisterschaft Katar 2022 als Dolmetscherin für die südkoreanische Nationalmannschaft.
Ihre Aufgabe bestand nicht nur darin, sprachliche Barrieren zu überwinden. Sie vermittelte Spielern und Fans auch einen Eindruck von Katars Geschichte, Kultur und gesellschaftlichen Traditionen.
„Großveranstaltungen wie die Fußball-Weltmeisterschaft oder die Asienspiele sind ein Fest der kulturellen Vielfalt“, sagt Bou Karbal. „Wenn Menschen einander begegnen und mehr über andere Kulturen erfahren, verlieren stereotype Vorstellungen an Bedeutung. Die Freiwilligenarbeit gibt mir die Möglichkeit, meine Begeisterung für die Geschichte Katars und sein reiches kulturelles Erbe mit anderen zu teilen.“
Manche Freiwillige kommen zunächst für ein einziges Turnier und bleiben dem Ehrenamt über Jahre verbunden. Katsuko Suzuki gehört zu ihnen. Die Japanerin lebt seit 18 Jahren in Katar und hat ihre Leidenschaft für den Fußball mit einem langfristigen Engagement bei internationalen Sportveranstaltungen verbunden.
Suzuki war bei der FIFA-Fussball-Weltmeisterschaft Katar 2022 im Einsatz, arbeitete beim AFC Asian Cup Qatar 2023 mit und unterstützte später die FIFA-U-17-Weltmeisterschaft Katar 2025. Mit jedem Turnier, sagt sie, sei nicht nur ihre Verbundenheit mit dem internationalen Fußball gewachsen. Sie habe auch besser verstanden, wie viel Arbeit erforderlich sei, bevor Mannschaften den Rasen betreten und die Zuschauer ihre Plätze einnehmen können.
„Durch meine freiwillige Tätigkeit habe ich aus nächster Nähe erfahren, welch enormer organisatorischer Aufwand hinter einem großen Fußballturnier steckt“, sagt Suzuki. „Es erfüllt mich mit Stolz, wenn Mannschaften und Fans aus aller Welt nach Katar kommen, um gemeinsam den Fußball zu feiern. Schließlich ist Katar seit 18 Jahren meine Heimat.“
Suzuki betrachtet sich als Vermittlerin zwischen zwei Ländern, die auf den ersten Blick weit voneinander entfernt erscheinen mögen. Als Japanerin in Katar erzählt sie Besuchern von ihrem zweiten Zuhause, von seinen Traditionen, seiner Gastfreundschaft und seiner Begeisterung für den Sport. Die Unterschiede zwischen beiden Kulturen seien unverkennbar, doch ebenso deutlich seien die Gemeinsamkeiten.
„Katar und Japan verbindet die Wertschätzung von Gastfreundschaft, kulturellem Erbe und Fußball“, sagt sie. „Ich hoffe, dass meine Erfahrungen noch mehr Menschen aus Japan dazu bewegen, Katar zu besuchen und die Kultur und Traditionen des Landes selbst kennenzulernen.“
Mehr als 20.000 Freiwillige waren bei der FIFA-Fussball-Weltmeisterschaft Katar 2022 im Einsatz. Sie arbeiteten in der Gästebetreuung, unterstützten Mannschaften und Medienvertreter, halfen den Zuschauern bei der Orientierung und übernahmen zahlreiche weitere Aufgaben, die für den Ablauf eines Turniers unverzichtbar sind, von der Öffentlichkeit jedoch nur selten wahrgenommen werden.
Ihr Engagement trug wesentlich zum Erfolg der Weltmeisterschaft bei. Wichtiger als die Zahl allein ist für Katar jedoch die Gemeinschaft, die aus dem Turnier hervorgegangen ist. Seit 2022 hat das Land weitere bedeutende Sportveranstaltungen ausgerichtet und konnte dabei auf die Erfahrungen jener Menschen zurückgreifen, die bereits während der Weltmeisterschaft Verantwortung übernommen hatten.
Das Freiwilligenprogramm vereint Menschen unterschiedlicher Herkunft, beruflicher Erfahrung und persönlicher Fähigkeiten. Manche verfügen über Fremdsprachenkenntnisse, andere bringen organisatorische Erfahrung oder besondere Kenntnisse in der Gästebetreuung mit. Gemeinsam unterstützen sie eine Vielzahl operativer Bereiche und sorgen dafür, dass die komplexen Abläufe hinter den Kulissen ineinandergreifen.
Wie wertvoll diese Erfahrung inzwischen geworden ist, zeigte sich 2025. Rund 4.000 Freiwillige begleiteten damals eine außergewöhnliche Fußballsaison, in deren Verlauf Katar innerhalb von nur drei Wochen drei FIFA-Endrunden ausrichtete: die FIFA-U-17-Weltmeisterschaft Katar 2025, den FIFA Arab Cup Qatar 2025 und den FIFA Intercontinental Cup Qatar 2025. Hinzu kamen die Golfpokale der Altersklassen U17 und U23.
Nun richtet sich der Blick auf die FIFA-U-17-Weltmeisterschaft Katar 2026, die vom 19. November bis zum 13. Dezember stattfindet. Für das Turnier sollen 750 Freiwillige ausgewählt werden, die Aufgaben in neun operativen Bereichen übernehmen.
Auch darüber hinaus bleibt Katars Veranstaltungskalender dicht gefüllt. 2027 soll das Land die Basketball-Weltmeisterschaft ausrichten, 2029 folgen der FIFA Arab Cup Qatar und die Volleyball-Weltmeisterschaft. Ein Jahr später kehren mit den Asienspielen 2030 die größten kontinentalen Wettbewerbe nach Katar zurück.
Neben diesen Sportereignissen sind zahlreiche Kultur- und Unterhaltungsveranstaltungen geplant. Bei all diesen Ereignissen wird Katars wachsende Freiwilligengemeinschaft erneut Aufgaben übernehmen, die nach außen häufig unscheinbar wirken, für das Gelingen einer Veranstaltung jedoch unverzichtbar sind.
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